
Während ich an meinem Buch über die Kaschmir-Massage schreibe, merke ich immer wieder, dass ich mir selbst auf der Spur bin.
Je tiefer ich in diese uralte Weisheit eintauche, desto klarer wird mir, dass das reine Empfangen eine der größten Herausforderungen unseres Lebens ist – und auch eine meiner eigenen.
Ich bin eine Frau, die leidenschaftlich gerne erschafft, organisiert, gestaltet und Visionen Wirklichkeit werden lässt.
Ich liebe es, Seminare zu entwickeln, Räume zu kreieren und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Doch genau darin liegt auch meine Herausforderung:
ich darf immer wieder lernen, nicht nur zu geben, sondern auch zu empfangen.
Nicht sofort etwas zurückgeben zu wollen.
Nicht gleich wieder aktiv zu werden.
Nicht alles selbst in die Hand nehmen zu müssen sondern mich einfach tragen zu lassen.
Liebe anzunehmen.
Berührung anzunehmen.
Unterstützung anzunehmen.
Ein Kompliment anzunehmen.
Einfach nur zu empfangen…
Mir wird immer bewusster, dass wir in einer Kultur des Gebens, des Leistens und des Funktionierens leben. Viele von uns fühlen sich verpflichtet, sofort etwas zurückzugeben. Wir erhalten ein Geschenk und möchten uns revanchieren. Wir werden gelobt und relativieren das Lob. Wir werden liebevoll berührt und beginnen unbewusst zurückzustreicheln…
Einfach nur zu empfangen, fällt uns oft erstaunlich schwer.
Dabei glaube ich heute mehr denn je:
Empfangen ist kein passiver Zustand.
Empfangen ist ein schöpferischer Akt.
Es braucht Mut, die Kontrolle loszulassen.
Es braucht Vertrauen, sich für einen Augenblick vom Leben tragen zu lassen.
Wer wirklich empfängt, sagt mit seinem ganzen Sein:
„Ich vertraue.“
Vielleicht berührt mich die Kaschmir-Massage deshalb so tief. Sie schenkt uns einen Raum, in dem wir nichts leisten müssen.
Nichts erreichen.
Niemand sein müssen.
Wir dürfen einfach da sein.
Mit jeder achtsamen Berührung beginnt sich unser Körper zu öffnen. Unser Nervensystem beruhigt sich. Der Atem wird freier. Das Herz wird weich. Und manchmal lösen sich alte Schutzmuster ganz von selbst.
Ich habe das Gefühl, dass unser Geben erst dann wirklich frei wird, wenn wir selbst empfangen können. Dann geben wir nicht mehr aus Pflicht, aus Angst, aus Gewohnheit oder aus dem Bedürfnis, gebraucht zu werden.
Dann geben wir aus der Fülle unseres Herzens…
Ich bin noch auf diesem Weg.
Und vielleicht ist genau das das Schönste: Dass wir nicht perfekt sein müssen. Dass wir gemeinsam lernen dürfen – Schritt für Schritt, Berührung für Berührung und Herzschlag für Herzschlag.
Vielleicht wird genau darin die größte Lektion meines eigenen Lebens liegen ❤️